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Was, wann, wo?
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Verbrauchertäuschung bei Pelz

Tierschützer haben in einer neuen Recherche zum Thema Pelz eine Täuschung der Verbraucher aufgedeckt: Echtes Fell wird oft gar nicht oder als Kunstpelz gekennzeichnet.

Die EU-Kennzeichnungsverordnung von 2012 gibt vor, dass textile Kleidung mit z.B. Pelzbesatz mit dem Hinweis „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ zu kennzeichnen ist – doch diese Kennzeichnung gibt dem Verbraucher noch nicht einmal Auskunft darüber, welche Teile des Kleidungsstückes vom Tier sind. Das könnten z.B. Lederapplikationen, eine Daunenfüllung, ein Fellkragen oder ein Pelzbommel an der Mütze sein.

Dr. Henriette Mackensen vom Deutschen Tierschutzbund ergänzt: „Erschwerend kommt hinzu, dass die Verordnung nur gilt, wenn die Kleidungsstücke zu mindestens 80 Prozent aus Textilgewebe bestehen. Wenn Produkte, wie Pelzmäntel oder Lederhandschuhe mit Fellbesatz, zu mehr als 20 Prozent aus tierischem Material bestehen, gibt es gar keine Kennzeichnungspflicht mehr. Bei Schuhen und Accessoires gibt es diese grundsätzlich nicht.“

VIER PFOTEN und der Deutsche Tierschutzbund, beide Mitglieder der „Fur Free Alliance“, einem internationalen Zusammenschluss von Organisationen gegen das Halten und Töten von Tieren zur Pelzgewinnung, haben im Herbst 2016 gemeinsam 87 Kleidungsstücke mit Echtpelz aus 49 Geschäften in Hamburg, Berlin, Köln, Augsburg und München auf korrekte Kennzeichnung überprüft. Die Produkte kosteten zwischen 8 und 1.195 Euro und wurden bei bekannten Modeketten, in Kaufhäusern und Boutiquen, an Straßenständen und bei Luxuslabeln ausgewählt. Das Ergebnis ist erschreckend: Über 50 % der Kleidungsstücke waren falsch gekennzeichnet. Die Etiketten informierten nicht darüber, dass Bestandteile tierischen Ursprungs in der Kleidung enthalten waren. 79 der geprüften 87 Kleidungsstücke wären gemäß der EU-Regeln kennzeichnungspflichtig gewesen, aber bei der Hälfte fehlte die entsprechende Etikettierung. Je billiger die Kleidungsstücke waren, desto mangelhafter waren sie gekennzeichnet: Bei einem Kaufpreis unter 50 Euro fehlte der Hinweis auf dem Etikett bei über 80 Prozent der Ware. Bei Kleidungsstücken unter 10 Euro fehlte die vorgeschriebene Kennzeichnung bei 100 Prozent der Artikel.

Dazu Denise Schmidt, Kampagnenleiterin von VIER PFOTEN: „Laut Umfragen lehnen 86 Prozent der Verbraucher Echtpelz ab. Sie sind beim Einkaufen auf eine klare Kennzeichnung angewiesen. Wenn eine Mütze nur als ‚100 Prozent Acryl‘ etikettiert ist, obwohl der Bommel aus Echtpelz besteht, ist das Verbrauchertäuschung".

Den Herstellern ist also bewusst, dass der Großteil der Verbraucher kein echtes Fell an der Kleidung möchte, sie ignorieren den Wunsch aber und täuschen die Kunden mit falschen Angaben.

Dr. Henriette Mackensen, Fachreferentin für Artenschutz beim Deutschen Tierschutz-bund: „Solange mit der tierquälerischen Ware Pelz gehandelt wird, muss für den Verbraucher zumindest erkennbar sein, um welche Tierart es sich handelt, woher sie stammt und wie sie gehalten und getötet wurde. Allein diese Informationen würden viele Verbraucher vom Kauf abschrecken. Eine entsprechende Kennzeichnungspflicht ist lange überfällig.“ Die Tierschützer fordern die Bundesregierung daher auf, auf EU-Ebene für eine verbraucherfreundliche und transparente Kennzeichnungsregelung nach Vorbild der Schweiz einzutreten: Es sollen die Tierart mit korrektem Artnamen, das Herkunftsland und die Art der Pelzgewinnung im Etikett der Kleidungsstücke klar benannt werden.

Den Bericht der Tierschützer finden Sie im Internet:

www.tierschutzbund.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Report_Pelzkennzeichnung_in_Deutschland.pdf